System Dynamics

System Dynamics, ursprünglich Industrial Dynamics genannt, ist eine von Jay W. Forrester Mitte der 1950er Jahre an der Sloan School of Management des MIT entwickelte Methodik zur ganzheitlichen Analyse und Simulation komplex-dynamischer Systeme und erlaubt aus einer Analyse der Systemstruktur und des von ihr verursachten Verhaltens langfristig wirksame Entscheidungs- und Strategieregeln abzuleiten.

Berühmt wurde diese Methodik 1972 bei der Simulation des Weltmodells World3, das in der Studie Grenzen des Wachstums vom Club of Rome durchgeführt wurde. Ebenso legendär wurde das vom MIT erstellte National Model, das die makro- und mikroökonomische Entwicklung in den USA auf der Grundlage empirischen Daten abbildet. Es gibt heute kaum ein Themengebiet bzw. Fragestellung, bei der diese Modellierungstechnik nicht erfolgreich angewendet worden wäre. Besonders etabliert haben sich inzwischen Management Flug Simulatoren für das Executive Management.


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Hochaggregierte Sicht des World3-Modells von Dennis Meadows

Methodik

Charakteristisch für System Dynamics ist die Identifikation und Untersuchung in sich geschlossener Wirkungsketten (feedback loops). Unterschieden werden dabei Loops mit positiver (reinforcing loops) und negativer (balancing loops) Rückkopplung. Positive Rückkopplung verstärkt die Dynamik, negative schwächt sie ab.


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Darstellung eines Modells zur Produktdiffusion in einem Markt


Die Darstellung in Systemdiagrammen (Mental Maps) und deren Simulation ermöglicht ein sehr tiefes Systemverständnis. Speicher (Stocks) und Ströme (Flows) dienen der Beschreibung der grundlegenden Systemzusammenhänge, der Bilanzen. Mit Wirkpfeilen (Arrows) und Zusatzelementen (Auxiliaries) werden die Rückkopplungsmechanismen des Systems formuliert. Die Simulation unterschiedlicher Szenarien fördert das Verständnis für das Systemverhalten sowie die Sensitivität bezüglich Parameter und Anfangsbedingungen

Den immer wiederkehrenden Verhaltensmustern komplex-dynamischer Systeme liegen bestimmte Strukturen zugrunde, die als vereinfachte Modelle dargestellt werden können, sogenannte Systemarchetypen. Momentan werden zehn verschiedene solcher Systemarchetypen unterschieden, zum Beispiel Problemverschiebung (shifting the burden), Scheiternde Korrekturen (fixes that fail) und Abrutschendes Ziel (eroding goals).

Klassische Fragestellungen des Executive Management

Typische Fragestellungen des Executive Managements, die mit der Methodik System Dynamics in praxisbezogenem unternehmerischem Kontext adressiert werden, sind zum Beispiel:

  • Szenarien-Analysen und -technik
  • Nachhaltigkeitsbetrachtungen
  • Strategische Unternehmensplanung
  • Strategisches Asset Management
  • Unterstützung von Entscheidungsprozessen im strategischen und operativen Management und zur Darstellung und Optimierung von Prozessabläufen im Bereich Qualitätsmanagement
  • Risk Assessment
  • Innovations-, Produktions- und Projektmanagement

Typische Anwendungsfelder von System Dynamics

Zu den typischen Anwendungsfeldern von System Dynamics gehören heute zum Beispiel:

  • Makroökonomie
  • Finanz- und Energiemärkte
  • Commodity-Märkte jeder Art – from Airplane to Zinc
  • Ökologische Systeme
  • Stadt- und Populations-Dynamik
  • Politische Systeme
  • Supply Chain Management und Produktionssysteme

Vorteile von Management Flug Simulatoren

Simulationsmodelle, die auf der Methodik von System Dynamics gründen, geben dem Executive Management in den sich dynamisierenden Märkten der Zukunft folgende Vorteile in die Hand:

  • hochkomplexe Entscheidungssituationen für Brachen- oder Marktentwicklung ganzheitlich erfassen und transparent darstellen
  • unterschiedliche Vorstellungen verschiedener Entscheider offenlegen und Missverständnisse vermeiden
  • Unternehmensszenarien entwickeln und simulieren, um die Unsicherheit über die Zukunft greifbar zu machen
  • Identifizierung der Stellhebel zur wertsteigernden Unternehmensführung angesichts hoher Unsicherheit und Risiken
  • Strategiealternativen modellieren und per Simulation testen, bevor sie umgesetzt werden
  • Bewertung von nachhaltigen Unternehmensstrategien im Kontext von Innovation und Technologiebrüchen, und diese in Wettbewerbssituationen
  • Implementierung eines Frühwarnsystems, um Marktveränderungen, Marktposition, strategische Entscheidungen und operative Maßnahmen in Echtzeit zu überwachen
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